Degustationsnotizen

Whisky aus den Alpenländern ist derzeit in aller Munde; Messen, Bücher, Landkarten – der Hype scheint von Schottland in die D-A-CH Länder überzuspringen. Dabei gibt es nicht nur Whisky in unseren Breitengraden, ein paar Brenner haben sich auf Rum spezialisiert – so die Grafenwald Austrian Distillery!

Seit 2009 experimentieren die drei passionierten Brenner Gerd Jäger, Wolfgang Summer und Bruno Amann an ihrem „Melasse-Rum“ in Klaus, einem malerischen Ort in Vorarlberg!

Dazu das Statement des Grafenwald: „Entgegen dem Mainstream in der Brennerszene, und auf der stetigen Suche nach neuen und spannenden Projekten, haben wir uns in den vergangenen Jahren entschieden, uns dem Thema Rum in seinen unendlichen Varianten und Variationen zu widmen. Nicht Quantität sondern Qualität ist unser oberstes Gebot.“

Zwischen Weihnachten und Neujahr lieferte der „Weihnachtsmann“ (Postbote) ein Paket bei uns ab,  darin fand sich eine Flasche der neuesten Abfüllung des „Earls Forest“, der No.2 des Fassgelagerten Rum’s. Ich möchte es nicht verabsäumen, hier meine Degustationsnotiz dazu aufzuführen:

Earls Forest No. 2 – Dark Rum, Outtake 3

klar, mittleres Bernstein. Kräftig würzige Nase, typisch, leicht bananig mit einem Hauch Kokos und Nougat, dezent medizinische Noten. Am Gaumen kräftige Rum-Aromatik, intensiv würzig, integrierter Alkohol. Erinnert an klassische Demerara Rums, präsentiert sich aber etwas trockener als karibische Rums. Nougat, etwas pfeffrig mit einem komplexen, harmonischen und ewigen Abgang! Das sollte man probiert haben!

[rating:5.5/6]

Am 27. Juli wurden die Medaillengewinner und Produkt-Trophy Gewinner der Spirituosenkategorie der International Wine & Spirits Competition auf einer Verkostung in London bekannt gegeben. Nebst der Verkündigung der Sieger, waren über 200 Top-Produkte des Wettbewerbes 2011 zur Verkostung bereit.
Mit einer gestiegenen Anzahl an Proben, konnten am Wettbewerb Destillate aus insgesamt 19 Ländern bewertet werden.  Dies zeigt wahrlich, wie international die Konkurrenz ist. Aus unterschiedlichsten Länder wie  China, Armenien und Bulgarien wurden Produkte eingereicht und ausgezeichnet, die etablierten Länder wie England, Schottland, Italien, Australien und Kanada nicht zu vergessen.

Verschiedenste Kategorien sahen einen grossen Zuwachs, hier sei nur Whisky (mit rund 21 %) oder „Fruitspirits“ (mit etwas über 25%) erwähnt. Medaillien für Whisky gingen in insgesamt 14 Länder, darunter Australien, Frankreich, Deutschland, Österreich, Bulgarien, Indien und Wales.

Hier eine kurze Auflistung der Sieger aus D-A-CH, die Whisky-Ergebnisse folgen separat!

GOLD (Best in Class)

Monkey 47 – Schwarzwald Dry Gin, Black Forest Distillers

Sehr attraktive Nase mit typischem London Dry Charakter mit einigen leichten, würzigen Noten. Knackig und frisch in der Nase und am Gaumen. Einige spritzige Noten am Gaumen bringen zusätzliche Frische zum traditionellen Charakter. Ziemlich komplex. Gute Balance aller Komponenten mit rassigem, erfrischendem Abgang.


GOLD-Medaillien

Goldhauch Haselnussgeist, Bimmerle KG

Farblos. Massive Konzentration von gerösteten Haselnüssen mit einem Hauch von Kakao und Schokolade. Intensive Haselnuss in den Mund, superweich am Gaumen und samtiger Textur. Sehr vollmundig mit ewigem Abgang. Erstaunlich, dass so viel Haselnuss in einem Glas Platz hat!

Gamot, Brennerei Ebner

Anregend, frisch, fruchtig und unglaublich intensiv. Außergewöhnliche, wenn auch sehr eindimensionale und unglaublich kraftvolle Noten von Bergamotte. Sauber und intensiv am Gaumen mit deutlichen Bergamotte-Charakter. Es bleibt kein Platz für etwas Anderes, das Erlebnis totaler Reinheit von Aroma und Geschmack sind äußerst befriedigend. Elegant und schön ausbalanciert, langer und eindrücklicher Abgang.

Silber (Best in Class)

Brionne Vieille Eau de Vie Kirsch, Borco Marken Import

In der Nase herrlich reife, dunkle Kirschen und mit deutlichen Kern-Noten. Reiche und volle Aromen dominieren. Saubere, gestochen scharfe Aromatik mit deutlichem Charakter am Gaumen. Unglaublich langer und aromatischer Abgang.

Apfel Gravensteiner, Brennerei Ebner

Farblos. Sauber, frisch, intensive Apfel-Aromatik. Ebenso frisch im Mund wie in der Nase, mit zurückhaltenden Apfelaromen, weich am Gaumen. Frische, saubere Apfel-Aromatik mit beständigem Angang.

Altes Schlehenwasser, Destillerie Kammer Kirsch

Kraftvolle Pflaume mit unglaublich ausgeprägten Fruchtaromen – vollgepackt mit Früchten. Die ausgeprägte Nase leitet über an den ebenso vollmundigen Gaumen. Große Ausgewogenheit. Langer Abgang mit balancierter Kombination von Geschmack und Aromen.

Vielle Prune „Reserve de Patron“,  Eschmann Spirituosen

Helles Bernschein . Deutliche Aromen von Pflaume, mit einem Hauch von Gewürzen und kräftigen Vanille-Anklängen. Üppig und voll am Gaumen,  mit reichlich Aromen. Die dominante Pflaume, ergänzt mit etwas Vanille, ergibt eine sehr gute Kombination – ein feines Produkt.

Sizilianische Blutorange Moro, Destillerie Stählemühle

Kompromisslose Orange in der Nase, die ständig an Kraft und Ausdruck gewinnt. Von Beginn an ein Ansturm von Orange, bringen im Hinteregrund einige würzigen Noten die Komplexität. Ebenso Aromageladen am Gaumen, mächtige Orangen-Aromatik. Lang und wohlig, mit wärmendem Abgang. Die Ausgewogenheit von Aroma und Alkohol hält den Charakter lebendig, fast ewig!


Herzliche Gratulation
den Meister-Brennern für diese Ergebnisse!


Die grüne Fee fasziniert immer wieder die Brenner in aller Welt. Leider ist die Qualität von vielen Spirituosen die sich als Absinth verkaufen einfach nur „schlecht“. Viele Produkte werden aus verschiedenen Essenzen zusammengestellt und künstlich gefärbt. Bei Wasserzugabe „louchen“ die Produkte nicht einmal. Als „louche“ bezeichnet man den Effekt, wenn das Produkt bei Wasserzugabe milchig weiss wird, dies entsteht unter 55% Alk.

Anders bei diesem Produkt von „Keller & Fils“. Es wird aus handverlesenen Kräutern destilliert, die Farbe ist natürlich durch einlegen von Kräutern entstanden.

Aussehen
klar, helles olivgrün, starke Schlieren am Glas

Geruch
intensive, harmoniche Kräuternoten mit leichter Anisdominanz, etwas strohig, deutlich Wermuth, frisch mit Noten von Melisse

Geschmack
gewisse Anis-Süsse, etwas minzig-mentholig, nur dezentes Wermuth am Gaumen, leicht bitter, Lakritze, langer mächtiger Abgang.

Bewertung
[rating:4/6]

Es gibt Tage, da darf es etwas „Sprudel“ sein. Aber zu was greift „Mann“, wenn er kein Prosecco-Trinker ist? Richtig – zum Champagner. Gerade vor den Feiertage stellt sich die Frage, mit was man die Gläser klingen lassen soll. Das einzige Hindernis stellt sich normaler Weise beim Preis ein. Champagner kostet eben ein bisschen mehr – Falsch!

Champagner muss nicht immer teuer sein und Preis ist nicht gleich Qualität!

Aussehen
klar, helles Goldgelb, gleichmässige und feine Perlage

Geruch
etwas verhaltene Nase, dezent brotige Noten, Hefe, geröstetes Toastbrot, vollreife Birne, gebrannte Mandeln

Gaumen
Nicht ganz trocken, mittlere Säure, mittlerer Körper, sehr erfrischend, etwas citrus, reife – etwas schalige Birnentöne

Bewertung
[rating:4/6]